Kreta – eine Reise ins Innere

Ich habe schon vor ein paar Monaten überlegt, als ich von dem Retreat erfuhr, ob ich die Reise antreten werde. Aber es schien mir alles nicht so recht zu passen, hatte es gedanklich schon bei Seite gelegt. Anfang April kam der Gedanke zurück, aber das Gefühl dahinter hatte sich verändert. Da war es wieder… diese Klarheit der inneren Stimme.

Wenn ich zurück blicke, lehren mich die Erfahrungen der letzten Jahre, dass es besser ist, der inneren Stimme zu folgen, auch wenn ich vielleicht im ersten Moment nicht immer den Sinn dahinter verstehe… Tue ich das nicht, weigere ich mich mit dem Fluss des Lebens zu schwimmen und schwimme gegen den Strom… geht es schief. Es kostet mich enorme Kraft, ich falle auf die Nase und am Ende muss ich mich geschlagen geben.

Nun, da war die Stimme wieder… und ja, ich überlegte nicht lange, schrieb spontan eine Email ob noch ein Platz frei wäre und bekam innerhalb von 10min eine Antwort. „Ja, es ist noch ein letzter Platz frei, wenn du möchtest reserviere ich ihn für dich.“ Wow, dachte ich mir, dann soll es wohl so sein.

Nächster Tag, die Suche nach einem Flug: noch ein Platz frei zum Vorzugspreis von…… Oh, echt? Super!

Hm, was mache ich die Tage um den Retreat? Gute Frage, die Gegend erkunden, den Menschen vor Ort begegnen, einfach eintauchen. Da packte mich mein Fernweh von hinten und überwältigte mich. In den letzten Jahren war es etwas verstaubt in einer Kiste verpackt. Nein, eigentlich falsch ausgedrückt. Es fühlte sich eher an wie ein schlafender Tiger im Käfig eingesperrt. Manchmal liegt er träumend auf dem Boden, gibt sich der Freiheit in einer anderen Sphäre hin. Manchmal schaut er resigniert durch die Stäbe, der Blick ist eingetrübt und schaut ins Nichts. Und ein anderes mal, streift er ruhelos durch sein Gefängnis, den Duft der Freiheit in der Nase und den Klang der Trommel im Herzen… Anscheinend hat der Wärter die Tür nicht richtig verschlossen, denn er hat die Chance gewittert und genutz und hat sich von hinten an mich heran geschlichen. Und in einem unbedachten Moment meinerseits, springt er lautlos ab und reißt mich um… Ich fühle mich überwältigt, liege auf dem Rücken und der Tiger leckt mir übers Gesicht und schaut mir tief in die Augen. In meinem Kopf und meinem Herzen höre ich seine Worte: „Ja, ich bin zurück! Ich bin wieder hier…“

Und so ließ ich mich weiter mitreißen vom Strom. Die Zeit verging wie im Flug und der Flug stand schon fast vor der Tür. Das Gepäck beschränkte sich auf eine Rucksack und ich fühlte mich sehr gut damit, genau das was ich nun brauchte: Wenig.

Die Frage, was brauche ich wirklich? Was möchte ich wirklich? Und wo möchte ich wirklich hin? Diese Fragen begleiteten mich auf meiner Reise. Und so machte ich mich auf den Weg.

Während des Hinflugs lernte ich eine so herzliche Griechin kennen, ich mochte sie vom ersten Augenblick. Auf meine Frage wo ich am Flughafen den Busbahnhof nach Chania finden könnte, bot sie mir direkt an mich zu meine Bekannten nach Chania zu bringen, die ich dort treffen wollte. Wir landeten in den Sonnenuntergang hinein und er verzauberte mich sofort als ich aus dem Flughafen heraus kam. Georgia, setzte mich in Chania ab wo ich bereits erwartet wurde. Ich brachte mein Rucksack zu meiner Unterkunft und nach einer kleinen Stärkung und dem kennenlernen von Philipp’s Freunden, zeigte mir Philipp noch die Stadt. Ich war sehr berührt und das was ich in mir spürte war, dass Gott seine segnende Hand über mich und meinen Weg, insbesondere meine Reise, hält. Es Floß einfach alles und ich durfte mich einfach nur hingeben.

Am zweiten Tag wollte ich einfach nur für mich sein, mich weiter treiben lassen. Ich war morgens bei meiner ersten Mysore Stunde auf der Insel und ließ mich den restlichen Tag einfach treiben. Meine Gedanken… durch die Straßen… die Meerluft… der Blick in die Ferne…  das Licht…

Und mit Achtsamkeit. Wie im Außen, so im Innen. Wie nehme ich die Welt um mich herum wahr? Denn so wie die Welt sich mir zeigt, so sieht es gerade in meinem Inneren aus. Ich erfahre die Insel in einer sehr großen Klarheit. Bin völlig überwältigt und verzaubert von dem Licht. In mir ist ein Gefühl. Es ist eine Mischung des Gefühls „auf dem Weg zu sein“ (auf dem Weg, mit einem mir unbekannten Ziel) und der Sicherheit, dass sich hier alles zu einem großen klaren Bild zusammen fügt, wie ein Puzzle.

Mich berührte sehr die Offenheit der Menschen dort. Ich beobachtete, schaute und hörte zu und ließ einfach auf mich wirken. Genau das brachte mich auf dem Aufstieg in die White Mountains in die Stille. Auf unserem Weg zur Berghütte ergriff mich die Energie der Berge. Diese unbeschreibliche Erhabenheit. Diese Ruhe. Dann kommen wir, in unserer Unbewusstheit gekleidet daher. Ich war fast schon traurig darüber, dass scheinbar so wenige gerade spürten, was ich wahrnehmen konnte in diesem Augenblick. So viele Worte, so viel Gerede um so wenig. Und über allem trohnten die Berge. Mit jedem Schritt mehr reifte in mir der Wunsch nach Stille. Oben angekommen bat ich um den Segen meines Lehrers die Tage in der Stille verbringen zu dürfen. Er wurde mir gewährt. Dafür bin ich unendlich dankbar.

Was ich dort erlebt habe und was sich in meinem Inneren abspielte können keine Worte dieser Welt beschreiben. Es war ein völliger Rückzug in mich selbst. Ein Beobachten, ein inneres Arbeiten, begleitet von einer sechs stündigen täglichen Yogapraxis. Unbeschreiblich. Umgeben von Menschen, die mir einen sicheren Rahmen boten, die ohne Kommunikation mit Worten, von Bekannten zu Freunden wurden…

Ich danke euch von Herzen – allen vorweg Philipp, Sandy, Sibylle und Nektarios. Alle anderen trage ich ebenso im Herzen, auch wenn nicht der Raum war sich auf der verbalen Ebene zu begegnen.

Der Sonnenaufgang am letzten Tag in den Bergen sollte mir eigentlich die Sprache wieder zurück bringen, so wie mit dem Sonnenuntergang am Abend der Ankunft die Worte gegangen sind. Jedoch war ich so berührt von dem was da passierte, dass ich aus Ehrfurcht und Dankbarkeit vor den Bergen meine Worte und Sprache opfern wollte bis wir wieder unten angekommen sollten.

Der Weg zurück aus den Bergen fiel mir unheimlich schwer, ich wollte nicht zurück. Ich wollte eigentlich nicht wieder sprechen, wollte nicht wieder zurück in den „Trubel des Lebens“. In diesem Moment konnte ich den Wunsch ganz klar nachvollziehen und greifen, der einen Novizen leitet… Für den Abstieg ließ ich mir Zeit und ich ließ mich weit hinter die Gruppe zurück fallen. Brauchte ein langsames und sanftes Ankommen. Philipp ließ sich auch zurück fallen von der Gruppe und er war mir sehr nahe. So wie während der Tage in den Bergen, in denen mir seine Nähe immer wieder ein Ruhepol war und mir ohne Worte trotzdem ein Gefühl des Willkommen- und Angenommenseins vermittelte. Ich brach das Schweigen und öffnete mich. Philipp, ich möchte dir einfach für Alles danken an dieser Stelle.

Die letzten Tage auf der Insel, war ich damit beschäftigt mich zu sortieren, ich bin auch jetzt immer noch nicht am Ende damit angekommen. Ich bin unendlich dankbar für alle Begegnungen, die erfahren durfte. Die Insel, die Menschen und auch das unbeschreibliche Licht wirkten die letzten Tage nach.

Meine Reise endete wie sie begonnen hatte. Georgia holte mich nach meiner letzten Yogastunde bei meinem Lehrer ab und wir tranken gemeinsam einen Kaffee und sprachen über die Reise. Sie brachte mich zum Flughafen und in mir war immer noch das Gefühl Gottes segnende Hand liegt auf meinem Kopf. Die Ankunft in Deutschland wirkte so unwirklich und das bei diesem absolut klaren Bewusstsein, das ich seither in mir trage. Was sich jedoch ins Handgepäck geschmuckelt hat, was eigentlich so gar nicht „meins“ ist… Sehnsucht nach Menschen. Menschen die mir nah sind.

Philipp, Sandy und Sybille – Umarme euch …

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